|
Im Spiegel diese Woche:
Männer im Zeugungsstreik. Alles weiß man von der Frau ohne Kinder: Alter, Einstellung, Bildung. Der kinderlose Mann dagegen ist ein Tabu. Ein Buch widmet sich nun dem unbekannten Wesen.
Es ist ja nicht so, dass Frauen um die vierzig nicht mehr hinterhergeschaut würde. Nur, diese Blicke sind irgendwie anders, strenger, manchmal missbilligend. Zumindest wenn kein Kinderwagen vor dem Bauch daherrollt, kein Gör am Handgelenk zuppelt. Ist dieses Luder etwa kinderlos? Macht sie sich mitschuldig am Aussterben der Deutschen, am Austrocknen der Sozialsysteme?
Die Frau im Gebärstreik – sie ist spätestens seit der bedrohlichen demoskopischen Schieflage im Land unter strengster Beobachtung. Wer, wo, wie viele es sind, wird akribisch untersucht, mit Hochdruck der Frage nachgegangen: Warum verweigern sie sich? Wie kann man sie locken?
150 Milliarden Euro gibt das Land jährlich für Familienleistungen aus. Doch in einer kürzlich veröffentlichten Umfrage wurde klar: Nicht an Krippenplätzen fehlt es, sondern an geeigneten Männern. Wobei die Betonung auf geeignet liegen muss, denn entgegen der landläufigen Meinung sind gebärwillige Frauen nicht etwa einsame Herzen. Viele leben in Partnerschaften – mit Männern, die sich drücken, zieren oder glattweg weigern zu zeugen.
Doch während das Image der kinderlosen Frau miserabel ist – sie gilt als egoistisch, karrieregeil, unsozial –, gibt es den kinderlosen Mann in der öffentlichen Wahrnehmung gar nicht. Für die Fortpflanzung scheint einzig die Person mit der Gebärmutter verantwortlich.
Ein eigentümliches, ein ärgerliches Phänomen, befand die Hamburger Journalistin Meike Dinklage, 39, keine Kinder. „Wie kann es angehen, dass Kinderlosigkeit bei Frauen nur als biologisch begründete Entbehrungstragödie akzeptiert wird, während der Mann mit der Einsamer-Wolf-Nummer durchkommt?“, fragte sie und begab sich auf Spurensuche. Nach zahlreichen Interviews legt sie diese Woche das Ergebnis vor. „Der Zeugungsstreik“ heißt ihr Buch, in dem sie die Rolle des Mannes beim Ob oder Ob-nicht beleuchtet.
Ihre Beobachtungen bringen das Bild der vom Ehrgeiz zerfressenen Egomanin gehörig ins Wanken. In vielen Fällen ist der Partner der Bremser, fand Dinklage heraus. Doch längst nicht alle Zeugungsverweigerer gestehen sich das ein. Während bei Frauen eine biologische Uhr tickt, fühlen sich Männer bis ins hohe Alter und trotz müder Spermien als potente und potentielle Väter. „Selbst über 50-Jährige, mit denen ich gesprochen habe“, berichtet Dinklage, „sehen sich als Männer ohne Kind, nicht etwa als Kinderlose. Sie fühlen sich von der gesellschaftlichen Kritik am Geburtenrückgang längst nicht so betroffen wie Frauen. Ihre Kinderlosigkeit gilt als Privatsache.“
Tatsächlich sind nach einer 2003 erstellten Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung – bezeichnenderweise die erste ihrer Art – mehr Männer ohne Nachkommen als Frauen: 20 Prozent mehr bei den 30- bis 34-Jährigen, 16 Prozent bei den 35- bis 39-Jährigen. Unter den Endvierzigern sind über ein Viertel der Männer ohne Nachkommen, aber nur 15,7 Prozent der Frauen. Viele von denen, die sich für potentielle Väter halten, können sich aber nie dafür entscheiden.
Die Gründe sind multipel. Natürlich ist da die ewige Angst, nach einer gescheiterten Ehe von der Kindsmutter ausgeplündert zu werden: oder der berufliche Erfolgsdruck, als Ernährer einer Familie bestehen zu müssen. Hinzu kommt der hormonell weniger stark ausgeprägte Kinderwunsch; und das ganz schlimme Dilemma, sich für nur eine Frau zu entscheiden. Und überhaupt: Ist ein Leben ohne Kinder nicht einfach bequemer?
Neben diesen eher traditionellen Bedenken stieß Dinklage bei ihrer Recherche auch auf ein anderes Phänomen: den in seiner Rolle zutiefst erschütterten Mann, der sich im Beruf, im Sport, in der Freizeit weiblicher Konkurrenz zu stellen hat. „Die Männer verlieren an Macht“, glaubt Dinklage, „der Zeugungsstreik dient als letztes Mittel, die Frau in Zaum zu halten.“ Besonders Akademikerinnen und Karrierefrauen bekommen das zu spüren. Nach Studium und beruflichem Aufstieg unter Zeit- und Entscheidungsdruck stoßen sie bei ihren Männern oft auf eine Ja-vielleicht-später-Haltung.
Einsame Empfängnis-Entscheidungen sind hier keine Lösung. Emanzipierten Frauen ist es wichtig, ihren Beruf fortführen zu können. Sie brauchen einen Kindsvater, der sich die Kinderbetreuung tatsächlich mit ihnen teilt – und nicht nur so tut. Zwar empfindet sich jeder fünfte Mann als „neuer Vater“, der die Berufstätigkeit seiner Frau unterstützt. In Wirklichkeit aber nehmen nur zwei Prozent der Väter Elternzeit.
Will die Frau ihre Karriere nicht gefährden, muss sie sich entweder gegen ihren Partner entscheiden oder gegen ein Kind. Das zeigt Wirkung: Neueste Untersuchungen des Statistischen Bundesamts belegen, dass immer mehr Paare kinderlos sind (siehe Grafik).
Dinklages Schlussfolgerung: Frauen, die von den Männern einen hohen Einsatz bei der Kinderbetreuung fordern, haben geringe Chancen auf dem Zeugungsbasar – oder, wie eine Interviewpartnerin es ausdrückt: "Intelligente Frauen sind Sauerbier auf dem Beziehungsmarkt."
Wie schön, dass zum Thema Geburtenzahlen auch einmal jemand etwas über die Männer schreibt. Bisher konnte man den Eindruck bekommen, der deutsche Mutterkult wäre schon so allmächtig geworden, dass man sie gar nicht mehr benötigt, die Männer. Neueste Forschungprogramme des Feminats haben dann wohl ergeben, dass die vielen Unterhaltszahler deswegen Unterhalt zahlen, weil sie mal an einer sogenannten Zeugung beteiligt waren. Man braucht sie also irgendwie doch noch, die Männer.
War ja klar, dass statt einer wirklichen Analyse dann sowas rauskommt wie der obige Artikel. Schuldige werden gesucht, Schuldige ausgemacht. Männer eben. Täter. Sie sind ungeeignet, drücken sich (kennen wir ja vom Unterhalt), haben Angst vor weiblicher Macht, Zeugungsstreik als hinterhältige Waffe und Machtinstrument. Man spürt den Drang von Dinklage, das faule männliche Pack mal so richtig schurigeln. Eine frustrierte 39-jährige Journalistin, kinderlos weil noch kein Mann auf sie hereingefallen ist und jetzt eine Abrechnung schreibend? Ihrer eigenen Logik nach deswegen, weil sie "zu intelligent" sein muss. Höre ich da ganz leise die Frage, ob der weibliche Endsieg in allen Klassen wertlos wird, weil er eine selbst herbeigeführte Trümmerlandschaft erobert hat?
Lösungswege kann sie natürlich keine anbieten. Nicht einmal ansatzweise. Ihre Denkweise bleibt in rückwärtsorientierten Schuldkategorien verhaftet und wo die Schuld liegt, daran lässt sie keine Sekunde einen Zweifel.
Hätte sie ihre Statistiken mal genauer angesehen, hätte sie bemerkt, dass arme und reiche Männer überdurchschnittlich Väter werden, die in der Mitte viel weniger. Vater wird heute, wer nichts zu verlieren hat oder wer ein so gutes Polster hat, dass er sich sicher vor Abstürzen wähnt. Vater wird nicht, wer rechtzeitig mitbekommt, wie mit Vätern im Familienrecht umgesprungen wird - denn dann gibts mal eben eine Entvaterung mit dem emotionalen und finanziellen Fallbeil.
In einem Punkt hat Dinklage indirekt Recht: Vater werden sollte man dann, wenn man sich selbst die Elternzeit gönnen kann und die Partnerin sich in ihrer Karriere verschleissen lässt. Nebenbei bauen sich noch nützliche Unterhaltsanprüche auf. Wenn das Männer wirklich tun würden, hätten wir sicher bald wieder ein aufjaulen von Dinklage & Co: Männer, sie sich vor dem Erwerb drücken, Feiglinge die den Rückzug ins Private praktizieren, sie hätten bloss Angst vor Weiblicher Macht und Kompetenz etc. etc. etc. Und sie würde noch was anderes entdecken: Ein paar nette Facetten im Unterhaltsrecht. Das würde nämlich ganz schnell ein "Reformobjekt" werden, wenn sich die Damen vermehrt und erstaunt auf der Zahlerseite wiederfinden.
Puh - das Wort zum Monat von einem, der sich nicht im Zeugungsstreik befindet.
_________________ Trennungsfaq für Väter
|